Ich weiß noch ganz genau, wie ich impfen damals gehasst habe. Es gab damals eigentlich kaum eine schlimmere Phrase, die meine Eltern loslassen konnten als: "Heute nimmst du dir bitte nichts vor, wir müssen heute zum Impfen." Wenn ich mich richtig erinnere, habe ich jedes Mal einen Riesenaufstand gemacht. Mir war durchgängig schlecht. Auf dem Weg ins Auto, auf der Fahrt, beim Einparken auf dem Parkplatz, im Wartezimmer.. ich war das wohl verängstigste, impfresistenteste Kind in der gesamten Praxis. Jedes Mal aufs Neue habe ich gehofft, dass wir doch irgendwie drum herum kommen, dass meine Mutter Erbarmen hat oder der Arzt krank geworden ist. Nie hat es geklappt.
Mama hat immer gesagt: "Ist doch gar nicht so schlimm. Ist doch nur 'n kleiner Pieks und dann ist es vorbei."
Die hat gut reden, habe ich mir gedacht. Die kriegt ja auch nix ab!
Und jetzt, viele Jahre später, versuche ich mir immer noch einzureden, es sei nur ein Pieks und nur halb so wild. Nein, nicht wegen mir. Wegen meinem Kind.
Ihn impfen zu lassen ist wirklich ein einziger Alptraum. Das erste Mal war bei der U4. Die Nacht davor habe ich nahezu gar nicht geschlafen und im Behandlungsraum bin ich vor Nervosität fast gestorben. Als es dann soweit war, sind mir echt die Tränen in die Augen geschossen, ich konnte gar nicht hinsehen. Naja, ist ja auch gegen jeglichen Instinkt, zuzulassen, dass jemand dem eigenen Kind wehtut. Aber muss ja.
Und morgen sind wir wieder dran. Was heißt wir, er halt. Aber man leidet soo mit, das ist Wahnsinn. Ob das wohl mit der Zeit besser wird? Oder zumindest weniger schlimm?
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